Ist das Kunst?

Ist das Kunst oder kann das weg?

Ich weiss nicht, woher der Satz kommt, aber er wurde zu einer geflügelten Wendung. Was ist Kunst? Wer bestimmt es? Eine wirkliche Definition gibt es nicht. Was früher Handwerk und Auftragsmalerei war, gilt heute als höchste Kunst, was heute zu gefällig daher kommt, gilt als Kitsch, Kunst muss mehr bieten.

Was also muss Kunst leisten? Gefallen? Wem? Eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Realität sein – im Sehen, Denken? Oder ein Apell? Für eine Handlung, eine zumindest gedachte Auseinandersetzung? Hat Kunst einen Auftrag oder ist sie frei von Nutzen (was sie nach Immanuel Kant erst zur Kunst machte)? Soll Kunst erziehen (Schiller propagierte sie als Lehrplatz fürs Leben) oder einfach nur erfreuen (hier finden sich dann viele Stimmen – auch Kant schlug in die Kerbe).

Ich für mich frage mich das immer wieder. Und immer wieder versuche ich Ansprüchen zu genügen. Es muss gut sein. Doch: Wer bestimmt? Mit welchem Recht? Schauen wir Picasso an: Nicht alles, was er tat, war ein „wirklicher Picasso“ im marktüblichen Sinne. Schauen wir Gaugin an: Keiner wollte das naive Gepinsel haben, ein paar gut meinende Lebensmittelverkäufer gaben ihm zu Essen und warfen die Bilder auf den Dachboden. Paula Modersohn-Becker verkaufte zu Lebzeiten kaum ein Bild, van Gogh verzweifelte bis hin zur Selbstzerstümmelung. Michel Basquiat zeichnete (so böse Zungen) so, wie es jeder Kindergärtler auch könnte… und die Bilder kosten heute Millionen. Wie die vorher genannten auch.

Ich möchte mich nicht mit all den oben genannten vergleichen. Höchstens insofern, als sie taten, was sie tun wollten/mussten, da es ihnen entsprach. Picasso hatte Glück (aber auch ganz viel Können, ich verehre ihn für ganz vieles), dass er schon zu Lebzeiten als das erkannt wurde, was er war. Aber: War Gaugin zu Lebzeiten kein Künstler? Wann wurden seine Bilder zu Kunst?

Und so habe ich für mich eine einzige Definition:

Künstler ist der, welcher etwas erschaffen will, weil er nicht leben möchte/könnte, ohne es zu tun. Und ja, er tut dies nicht, um zu gefallen (was verdammt schwer ist – wie einfach wäre es, alles nur noch so zu malen/zeichnen, wie das, was mal ankam bei anderen??), er tut dies, weil es sein Naturell ist.

Kunst schert sich nicht um die Etikette „Kunst“ und auch nicht darum, ob was gefällt oder nicht. Kunst muss ansprechen. Bewegen. Auf die eine oder andere Weise. Das kann ein Entzücken sein, weil es so schön ist, ein Erstaunen, weil es so speziell ist, ein Entsetzen, weil es so abgründig ist. Ich würde nicht alles Ansprechende oder Bewegende ins Wohnzimmer hängen. Und ja, nicht alles, was da hängt, würde von anderen als Kunst bezeichnet.

Kunst ist individuell. Und ja, es ist ein Markt. Mich interessiert nur: Was bewegt mich. Und das prägt mich in meinem Tun. Immer wieder. Und wenn es dann wen mit bewegt, dann ist das ein Geschenk. Und ja, es bleibt nicht aus: Dass Menschen dann finden, dass das, was ich tue, in ihren vier Wänden hängen soll, weil es in ihnen was auslöst?! Das ist das grösste Geschenk überhaupt. Und dafür bin ich dankbar.