Kleine Poesie: Herbstbild

Frierich Hebbel: Herbstbild
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Kleine Poesie: Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.
(Rainter Maria Rilke: Der Panther, Im Jardin des Plantes, Paris)

Kleine Poesie: Ich lebe mein Leben und wachsenden Ringen


Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
(Rainer Maria Rilke: Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen)

Leichtigkeit

Leichtigkeit – ein Thema, das mich in all meinen Lebensjahren immer wieder beschäftigte, weil sie fehlte. Ich war immer eher auf der rationalen Seite, weil ich dachte, da Halt zu haben, da auch Fähigkeiten zu haben (die ich durchaus hatte/habe). Ich machte Pläne, verfolgte Ziele, arbeitete ehrgeizig und immer mit einem perfektionistischen Hang – dem ich natürlich nie genügte, denn: Wer oder was wäre schon perfekt? So ging ich durch die Schule, durchs Studium, doktorierte – und irgendwie fehlte immer etwas. Als ich dann zum Yoga fand, sah ich mich am Ziel: Das war es. Endlich konnte ich den Geist ausschalten, konnte erkunden durch Erfahren, nicht durch rationales Planen. Leider hatte ich auch da die Rechnung ohne meinen Perfektionismus und Geist gemacht: Der Ehrgeiz war ungebrochen, die Stellungen wollten gemeistert werden, ich wollte wachsen, gut sein. Während ich mit meinen Schülern und auch in der Philosophie sehr yogisch war, kam ich mir selber immer wieder selber in den Weg. 

Irgendwann fand ich dann zurück zur Kunst – meiner ersten Liebe im Leben, die mir aber erfolgreich ausgetrieben worden war in jungen Jahren. Auch da verfolgte ich zuerst einen sehr akkuraten, zeichnerischen, genauen Stil. Es machte Freude, aber ich war noch immer gefangen. Bis ich loslassen konnte. Das wohl erste Mal wirklich. Und probieren. Und Wege gehen. Und auch mal scheitern. Mit Freude, weil mehr Neugier geweckt wurde. Und nun endlich merke: Hier gehöre ich hin, hier will ich sein. Yoga ist noch immer Teil meines Lebens, nun aber wirklich zum Eintauchen, nun aber wirklich, um zu erleben, zu mir zu kommen. Einfach, weil ich endlich in MEINEM Leben ankam. So hat sich dann das eine zum anderen gefügt. Und das fühlt sich gut an. 

Ein Buch voll Kunst

Jeden Tag ein neues Bild malen. Das war meine Idee, das war mein Projekt. Es war ein wunderbares Projekt und als das Buch langsam zu Ende ging, kam eine leise Wehmut auf, dass es fertig sein soll damit. Nun denn: Das Ende eines Buches ist der Anfang eines nächsten. Diesem Motto folgend werde ich das Projekt fortsetzen.

Viele der Bilder waren inspiriert durch Gedichte oder aber Gedichte folgten dem Bild als Assoziation. Das möchte ich auch weiter beibehalten, möchte die Bilder um eine (Bedeutungs-)Ebene erweitern dadurch, sie in einen Kontext stellen.