Erde

Ich mag das Arbeiten in Serien. Hier sehr abstrakt, aber auch bei Stillleben arbeite ich gerne in Reihen, so dass ich ein Thema, eine Farbpalette oder auch einen Stil mehr als einmal anwende. Erstens lernt man beim Arbeiten in grösseren Projekten immer wieder dazu, zweitens gefällt mir meist eine Art der Darstellung so gut, dass ich sie nicht nur einmal umsetzen möchte. Da ich oft auch eher kleinformatig male, ergibt sich so auch die Möglichkeit, Bilder gemeinsam zu hängen, so dass das Bild nicht nur für sich eine Wirkung hat, sondern auch im Miteinander.

Leichtigkeit

Leichtigkeit – ein Thema, das mich in all meinen Lebensjahren immer wieder beschäftigte, weil sie fehlte. Ich war immer eher auf der rationalen Seite, weil ich dachte, da Halt zu haben, da auch Fähigkeiten zu haben (die ich durchaus hatte/habe). Ich machte Pläne, verfolgte Ziele, arbeitete ehrgeizig und immer mit einem perfektionistischen Hang – dem ich natürlich nie genügte, denn: Wer oder was wäre schon perfekt? So ging ich durch die Schule, durchs Studium, doktorierte – und irgendwie fehlte immer etwas. Als ich dann zum Yoga fand, sah ich mich am Ziel: Das war es. Endlich konnte ich den Geist ausschalten, konnte erkunden durch Erfahren, nicht durch rationales Planen. Leider hatte ich auch da die Rechnung ohne meinen Perfektionismus und Geist gemacht: Der Ehrgeiz war ungebrochen, die Stellungen wollten gemeistert werden, ich wollte wachsen, gut sein. Während ich mit meinen Schülern und auch in der Philosophie sehr yogisch war, kam ich mir selber immer wieder selber in den Weg. 

Irgendwann fand ich dann zurück zur Kunst – meiner ersten Liebe im Leben, die mir aber erfolgreich ausgetrieben worden war in jungen Jahren. Auch da verfolgte ich zuerst einen sehr akkuraten, zeichnerischen, genauen Stil. Es machte Freude, aber ich war noch immer gefangen. Bis ich loslassen konnte. Das wohl erste Mal wirklich. Und probieren. Und Wege gehen. Und auch mal scheitern. Mit Freude, weil mehr Neugier geweckt wurde. Und nun endlich merke: Hier gehöre ich hin, hier will ich sein. Yoga ist noch immer Teil meines Lebens, nun aber wirklich zum Eintauchen, nun aber wirklich, um zu erleben, zu mir zu kommen. Einfach, weil ich endlich in MEINEM Leben ankam. So hat sich dann das eine zum anderen gefügt. Und das fühlt sich gut an. 

Didier Ottinger (Hrsg.) Magritte. Der Verrat der Bilder (Rezension)

Malerei als Ausdruck philosophischen Denkens

Magritte ging mit seiner Malerei neue Wege. Was er betrieb, könnte man als Philosophieren mit dem Pinsel bezeichnen. Sein Malen war Denken bildhaft dargestellt. Er setzte das Wort neben das Bild und umgekehrt. Die Malerei Magrittes befasst sich ohne Unterlass mit den Fragen über das Wesen und den Status der Kunst.

Vorhänge, Wörter, Flammen, Schatten, Fragmente und Collagen verweisen auf Legenden und Allegorien, die allesamt den Status der Bilder und deren Beziehung zur Wirklichkeit oder zur Wahrheit hinterfragen.

Immer wieder tauchen dabei die fünf Motive Feuer, Schatten, Vorhänge, Wörter und fragmentierte Körper auf. Der vorliegende Band setzt sich mit diesen Motiven auseinander, zeigt deren Funktion im Malen und Denken Magrittes und illustriert das anschaulich anhand der entsprechenden Bilder.

Magritte wollte hinter den gewohnheitsmässigen Gebrauch der Sprache blicken, er wollte offenlegen, das Worte beliebig Gegenständen zugeordnet werden und dann durch Generationen tradiert ohne je zu hinterfragen, was genau Objekt, was Wort und wie der Zusammenhang beider aussieht. Diesen Gedanken stellte er das Bild entgegen, welches auch ein Abbild des Objektes ist, aber nicht der Gegenstand selber. Dabei ist er der Überzeugung, dass die Verbindung Bild – Objekt weniger beliebig ist als die zwischen Wort und Objekt.

Aus der Ähnlichkeitsbeziehung zwischen der Wahrnehmung des Bildes und der des Gegenstandes ergibt sich unter anderem, dass es „in dem Sinne, in dem es Fremdsprachen gibt, keine Fremdbilder gibt“. Fremdsprachen kann es nur geben, weil die Beziehung zwischen den meisten Wörtern und dem, was sie bedeuten, beliebig ist und daher erlernt werden muss.

Mit seinen Bildern wollte Magritte das Denken sichtbar machen. Immer wieder stellt er den Bezug zur Philosophie her, bringt die Gedanken der grossen Denker auf die Leinwand.

Die vorliegende Monografie stellt die Persönlichkeit des Künstlers ins Zentrum und legt dessen Verständnis von Kunst und Wirklichkeit sowie der Beziehung zwischen den beiden offen. Hochstehende und tiefgründige Essays führen den Leser in Magrittes Denken, seine Motivwahl und deren Bedeutung im Hinblick auf sein Denken und Malen ein:

  • Magritte als Philosoph – ein Porträt (Didier Ottinger)
  • Wörter, Schatten, Flammen, Vorhänge, Fragmente. Magritte und die Gründungsmythen der Malerei (Didier Ottinger)
  • Zwischen Wahlverwandtschaft und Beliebigkeit. Anmalen gegen die imaginären Grenzen der Imagination (Klaus Speidel)
  • Sehen, um zu glauben. René Magritte und die Erfindung der Kunst (Jan Blanc)
  • Der Maler-König (Barbara Cassin)
  • Magrittes Vorhänge (Victor I. Stoichita)
  • Schönheit ist ein bildnerisches Problem (Jacqueline Lichtenstein)
  • Vom Bild als Deckmantel zur Kunst des Problems (Michel Draguet)

Auch Magritte selber kommt zu Wort in seinem Vortrag von 1938 mit dem Titel Lebenslinie I, sowie in ausgewählten Briefen.

Veranschaulicht werden all diese Theorien anhand ausgewählter und farblich hochwertiger Bilder, durch ein stilvolles Layout in Szene gesetzt werden. Ein rundum gelungenes Buch, das jedem Magritte-Fan nur empfohlen sei.

Fazit
Ein informatives, tiefgründiges und hochwertig gestaltetes Buch, das sich fundiert mit Magrittes Bildern, Motiven sowie seinen Gedanken und Theorien auseinandersetzt. Absolut empfehlenswert.

Zum Herausgeber:
Didier Ottinger ist stellvertretender Direktor des Musée national d’art moderne, Centre de création industrielle und Autor zahlreicher Bücher.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (16. Januar 2017)
ISBN: 978-3791355979
Preis: EUR: 39.95 ; CHF 52.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Meer

Ich las mal, dass die Eskimos über 100 Wörter für Schnee hätten. Forscher fanden heraus, dass die Schotten sogar noch mehr Wörter dafür besässen. Wenn ich mir so das Meer anschaue und immer wieder dessen Blau beschrieben höre, denke ich, wir bräuchten auch mehr Wörter. Das Meer ist nicht einfach nur blau, es leuchtet abhängig vom Licht, von der Tageszeit, der Wetterlage, der eigenen Stimmung in immer wieder neuen Nuancen. Es liefert uns quasi ein Meer von Blau, statt einfach ein blaues Meer zu sein.

Ich liebe es, einfach dazusitzen und aufs Meer zu blicken. Es hat so etwas Beruhigendes für mich. Und es inspiriert mich auch immer wieder aufs Neue.