Achim Sommer (Hrsg.): The World of Tim Burton

Manchmal sind die normalen Menschen die Monster

Zeichnen war ein Ventil für mich, um auszudrücken, was immer ich fühlte, um aus der geisttötenden Einförmigkeit der Vorstadt auszubrechen. (T.B.)

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Schon als Kind zeigte sich Tim Burtons zeichnerisches Talent, mit 13 Jahren drehte er seinen ersten Film. Nach einem Studium in Trickfilmkunst, finanziert durch die Disney-Studios und der Mitwirkung an mehreren Zeichentrickfilmen trat er auch als Autor und Regisseur den Erfolgskurs an (der Kurzfilm Vincent ist preisgekrönt).

Das Max Ernst Museum in Brühl holte im Jahr 2016 mit der Ausstellung The World of Tim Burton das zeichnerische und malerische Werk des US-amerikanischen Popkünstlers nach Deutschland und macht sie hier einem breiten Publikum bekannt. Begleitend zu dieser Ausstellung ist der vorliegende Ausstellungskatalog erschienen. Als Einstieg fasst Prof. Dr. Jürgen Wilhelm (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Max Ernst) die einzelnen Stationen und Meilensteine des originellen und kreativen Künstlers zusammen und setzt diesen in eine dialogische Beziehung zu Max Ernst. Auf zwei kurze Einleitungen durch den Herausgeber Achim Sommer sowie die Kuratorin Jenny He folgen eine kurze Stellungnahme von Tim Burton und seine Gefühle zu dieser Ausstellung sowie ein Interview, das Achim Sommer und Patrick Blümel (Ausstellungsassistent) mit Tom Burton geführt haben.

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Das Herzstück des Buchs sind sicher die 60 Seiten mit Bildern aus der Ausstellung. Sie bestechen durch ihre phantasievollen Szenerien, die makabren Ideen, gruselige, skurrile und abgründige Charaktere.

Manchmal fühle ich mich wie ein Alien, der zu nichts und niemandem in seinem Umfeld einen Zugang findet. (T.B.)

Tim Burton zeichnet eine surreale Welt, in der es thematisch immer wieder um den Tod und das Leben danach geht und die Beziehungen zwischen verschiedenen Welten aufgegriffen werden. Seine Helden sind oft Aussenseiter, melancholische, depressive Helden, welche unter der Welt um sie leiden.

Wie viele Menschen habe ich mich Aussenseitern immer verbunden gefühlt. Nicht in der Lage zu sein, dazuzugehören, das Gefühl, dass alles, was man anfasst, in der Luft zerrissen oder in den Schmutz gezogen wird…Es ist schön zu sehen, wenn ein Aussenseiter der Held ist – zu sehen, dass Anderssein nicht heissen muss, dass man nichts zu bieten hat und dass mitunter die sogenannten normalen Menschen die eigentlichen Monster sind. (T.B.)

Den Abschluss des Buches macht eine ausführliche und reich bebilderte Biographie des Künstlers. Alle Texte sind in Deutsch und Englisch verfasst.

Fazit:
Ein informatives und sehr schön gestaltetes Buch zu einem aussergewöhnlichen Künstler, das den Betrachter in neue – skurrile, abgründige und auch zum Nachdenken anregende – Welten entführt. Absolut empfehlenswert.

TimBurtonCover

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
Verlag: Hatje Cantz Verlag (14. August 2015)
ISBN-Nr.: 978-3775740296
Preis: EUR 24.80 / CHF 34.90

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Roter Mohn

Wenn im Sommer der rote Mohn

Wenn im Sommer der rote Mohn
wieder glüht im gelben Korn,
wenn des Finken süßer Ton
wieder lockt im Hagedorn,
wenn es wieder weit und breit
feierklar und fruchtstill ist,
dann erfüllt sich uns die Zeit,
die mit vollen Massen misst.

Dann verebbt, was uns bedroht,
dann verweht, was uns bedrückt,
über dem Schlangenkopf der Not
ist das Sonnenschwert gezückt.
Glaube nur, es wird geschehn!
Wende nicht den Blick zurück!
Wenn die Sommerwinde wehn,
werden wir in Rosen gehn,
und die Sonne lacht uns Glück!

Otto Bierbaum
(1865-1910)

Mutig sein

Mutig sein,, heisst, das Risiko eingehen, etwas zu tun, das scheitern könnte. 

Mutig sein heisst auch, sich verletzlich zu zeigen und Gefühle zu offenbaren. Mutig sein heisst, den anderen einen sehen lassen – mit allen Schwächen und Fehlern. Mutig sein heisst, zu lieben, auch auf die Gefahr hin, dass wir verletzt werden. Und ja, Dinge werden misslingen, Gefühle können verletzt werden und man selber kann an die falschen Menschen geraten. Nur: Wenn wir nicht mutig sind, riskieren wir mehr: Unsere Träume nicht zu leben, unsere Authentizität zu verlieren, nie wirklich Liebe geben und empfangen zu können, nie wirklich verbunden zu sein mit anderen Menschen.

Dirk Bonsma – ein Blick hinter die Kulissen

Kurzbiografie
Dirk Bonsma, geboren 1957, lebt und arbeitet im Kanton Bern.
Er bezeichnet sich als Sachbearbeiter in seiner eigenen Firma, in welcher er diverse Sachen bearbeitet.
Daraus entstehen Poster für Rockkonzerte, CD/LP-Hüllen, Signete, Bücher, allerlei Kunst und vieles vieles mehr.
 
Waren Sie das Kind, das immer und überall  mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?
Zeichenstifte sind spitz und äusserst gefährlich.
Ich hatte sie als Kind immer in meiner Nähe, aber glücklicherweise musste ich sie nie als Waffe einsetzen.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?
Es begann mit unbedarftem Vormichhinkritzeln, plötzlich traf mich das Glück, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.
Offensichtlich hab ich die Zeichen der Zeit gezeichnet, es passte immer irgendwie. Ein Hoch auf die Subkultur, dort hab ich meine Brötchen verdient.
Heute mache ich allerlei Auftragsarbeiten nach Lust und Laune und manchmal sogar Kunst.

Was macht einen guten Illustratoren aus?
Er/Sie sollte nicht um jeden Preis gefallen wollen.
Er/Sie sollte mit viel Fantasie ausgestattet sein.
Er/Sie sollte Geduld, Talent und Freude an der Sache haben.
Ganz wichtig: Mir oder irgendjemand anderem gefällt seine/ihre Arbeit.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?
Kunsthandwerk 

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?
Die Vorteile nutzen, den Rest ausblenden

Was zeichnet Ihren Stil aus?
Klarer Strich. Viel Schwarz Weiss, wenn Farbe, dann meistens Rot Blau. Für Jederfraumann lesbar, verständlich, manchmal dilettantisch.
Es gibt Leute, die unterstellen mir Humor (dabei hab ich mich selbst noch nie gezeichnet). Wichtig: Ich versuche immer eine Geschichte zu erzählen.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?
Meine Lieblingsmedien:
Pinsel und Farbe, Fixpensil,  Farbstift (Carand’Ache 999 Blaurot), Kugelschreiber, Radio und Fernsehen, Zeitung (Inspiration).


 Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Duschen, Zeitung lesen, Kaffee trinken, Zeichnen, Essen, mit Hund spazieren, Zeichnen, manchmal Basteln, Tee trinken, Zeichnen, Essen, Schlafen.
Manchmal mach ich auch einfach eine ausgedehnte Künstlerpause…

Ich hörte mal, der grösste Feind des Künstlers sei nicht mangelndes Talent, sondern die Störung durch andere Menschen. Brauchen Sie zum Arbeiten Stille und Einsamkeit, oder stören Sie andere Menschen nicht?
Wenn ich an einem Auftrag arbeite, bevorzuge ich die Einsamkeit, Stille ist jedoch nicht mein Ding, im Gegenteil, ich liebe Musik zum Zeichnen und wenn ich weiss, wohin die Reise geht , kann ich sehr wohl unter Leuten kreativ sein.
 
Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?
Am Anfang ist der Auftrag (den geb ich mir manchmal auch selbst), dann die Idee und später folgt der Weg zum Ziel, das sich meistens an einem anderen Ort befindet.

Wenn sie an Ihre vergangenen Arbeiten denken: Gibt es ein Projekt, das Sie als Ihr Lieblingsprojekt bezeichnen würden? Wenn ja: Welches, und wieso?
Schwer zu sagen… Im Idealfall ist es das Projekt, an dem ich gerade arbeite. Zur Zeit male ich an einem Plakat für eine Ausstellung zum Thema „Kochen“.

Welches Projekt würden Sie einem Leser gerne vorstellen?
Ich habe vor einiger Zeit ein Schaltjahr lang jeden Tag einen Linolstempel geschnitten. Daraus entstanden 200 Künstlerbüchlein, jedes ein Unikat. Andrea Nyffeler, eine befreundete Künstlerin , schrieb 160 wunderbare Haikus, die ich mit meinem Stempelfundus nach Gutdünken illustrierte. Das Projekt lief unter dem Titel „Schillernder Schinken“.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?
Ich bin ehrlich gesagt ein mittelmässiger Netzwerker. Die wenigen, die ich kenne in diesem gigantischen Illustratorenuniversum, treffe ich immer wieder gerne, wir respektieren uns gegenseitig sehr.

Was raten Sie jemanden, der Illustrator werden will?
Probier es doch einfach aus, vielleicht wirst du entdeckt und sogar berühmt. Sei brav und fleissig, erfinde dich.

Welchen Illustrator oder Künstler soll ich hier noch vorstellen?
„Saul Steinberg“, kommt mir da gerade in den Sinn.

Rittiner & Gomez – ein Blick hinter die Kulissen

Waren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

Nein.

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

Schleichend, wir machten unsere Bilder, die dann zur Illustration verwendet wurden.

Was macht einen guten Illustrator aus?

Sie unterstützt treffend einen Text und erklärt zusätzlich Dinge die sich nicht mit Worten sagen lassen.

Ist Illustration Kunst oder Handwerk?

Als Bildermacher haben wir uns diese Frage noch nie gestellt. Sind aber eindeutig Handwerker.

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

Beflügelt, die meisten Arbeiten entstanden durch Onlinekontakte und die Zusammenarbeit läuft, fasst ausschliesslich über das Internet.

Was zeichnet Ihren Stil aus?

Eine eigene Bildsprache, die wir über Jahre entwickelt haben, die vom Comic inspiriert ist.

Haben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

Zeichnung und Aquarellmalerei, die sich vermischt, wobei es oft das zeichnerische und dann wieder das malerische im Vordergrund ist.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

7 30 – 11 00h / 14 00 – 17 00h und mit Kaffeepause.

Ich hörte mal, der grösste Feind des Künstlers sei nicht mangelndes Talent, sondern die Störung durch andere Menschen. Brauchen Sie zum Arbeiten Stille und Einsamkeit, oder stören Sie andere Menschen nicht?

Zu Talent können wir nichts sagen. Zum arbeiten brauchen wir nicht Stille. Hören oft Radio oder Musik . Das mit den Menschen ist tatsächlich so eine Sache, selbes wenn sie nicht im gleichen Raum sind können wir nicht arbeiten.

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

Meistens kommen beim Lesen eines Textes, die Bilder ganz automatisch, es gilt dann eine Auswahl zu treffen. Machen auch nie Entwürfe, lassen die Bilder quasi, aus dem Papier heraus wachsen.

Wenn sie an Ihre vergangenen Arbeiten denken: Gibt es ein Projekt, das Sie als Ihr Lieblingsprojekt bezeichnen würden? Wenn ja: Welches, und wieso?

„Ewig Dein“ eine Liebesgeschichte mit einem wortlosen Comic auf 26 Bildern für die Ausstellung „Liebes Radio“ im historischen Museum Luzern. Jede Woche der Ausstellung kam ein neues Bild hinzu. Den Auftrag erhielten wir 4 Tage vor der Ausstellungseröffnung. Es war also ein Sprung in das kalte Wasser und wie die Geschichte enden würde, wussten wir beim Start noch nicht.

Welches Projekt würden Sie einem Leser gerne vorstellen?

Arbeiten nun seit 19 Jahren an dem Weblog „Isla Volante“ und sind selber erstaunt wie sich der Blog immer wieder veränderte und was daraus alles entstand. Sind aber auch gespannt wie sich die Isla Volante weiter entwickeln wird.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

Kennen persönlich gar keine Illustratoren. Sind aber immer in Kontakt mit diversen Menschen, aus verschiedensten Berufen, die unsere Arbeit beeinflussen und weiterbringen. Selbstverständlich, hätten wir grosses Interesse, uns mit Illustratorinnen auszutauschen und zu vernetzen.

Was raten Sie jemanden, der Illustrator werden will?

Zeichnen, malen, zeichnen, malen, zeichnen, malen, zeichnen und viel Radfahren.

Welchen Illustrator oder Künstler soll ich hier noch vorstellen?

Patricia Keller

Der Link zum im Interview erwähnten Weblog: HIER