Kreatives Schaffen als Arbeit ernst nehmen

Ich habe die meiste Zeit meines Lebens mehrheitlich selbständig und freischaffend zu Hause gearbeitet. Wie so vieles im Leben, hatte das Vor- und Nachteile. Die freie Zeiteinteilung und der wegfallende Arbeitsweg sind für mich dabei sicher zwei herausragende Vorteile, die oft genannten Nachteile fehlender Arbeitskollegen oder der Not, die nötige Disziplin aufbringen zu müssen, fielen für mich nicht zu sehr negativ ins Gewicht. Als eher introvertierter und ziemlich disziplinierter Mensch lag mir auch das.

Es gab und gibt aber immer wieder eines, womit ich bei der selbständigen Arbeit von zu Hause kämpfe: Während bei Menschen, die in einer Firma arbeiten klar ist, dass sie an Arbeitszeiten gebunden sind, herrscht bei uns „Heimarbeitern“ oft das Gefühl, wir hätten immer Zeit und wären verfügbar. Da wir uns die Zeit ja selber einteilen können, könnten wir gut mal schnell eine Pause machen, die Zeit dann nachholen oder aber sogar ganz ausfallen lassen. Schliesslich sind wir ja unser eigener Boss. Das war schon früher beim Schreiben (auch bei Auftragsarbeiten, die durchaus oft eng gesetzte Deadlines hatten) so, heute beim Zeichnen und Illustrieren ist diese Sicht noch verbreiteter. Während andere damit vielleicht souveräner umgehen können, hadere ich immer wieder damit.

Kunst und Illustration sind in den Augen vieler eher Hobbys, die man ausüben kann, wenn grad nichts anderes anfällt. Und während schon vielen Menschen ihre Hobbys so wichtig sind, dass sie diese gerne regelmässig ausüben, ist es für jemanden, der Kunst und Illustration als Beruf/Berufung sieht, unerlässlich. Ich habe bei mir selber schon gemerkt, dass ich fast ein schlechtes Gewissen habe, zu etwas nein zu sagen, das meine Arbeit unterbrechen oder verunmöglichen würde. Nur: Wie sollen mich andere in meinem Tun ernst nehmen, wenn ich es selber nicht tue? Wieso messe ich mir und meinem Schaffen nicht den Wert zu, den ich mir von anderen wünsche?

Es ist wohl hier wie bei anderem im Leben: Ich kann von anderen kaum etwas erwarten, das ich selber nicht tue. Der Anfang liegt also bei mir, indem ich mich und mein Tun so ernst nehme, dass ich ihm den Stellenwert (und mir damit den Selbstwert) zuordne, den es hat, und auch dafür einstehe. Wieder etwas, das ich durch meine Kunst fürs Leben gelernt habe.

5 Kommentare

  1. Kultur und Kreativität scheint leider immer das erste, auf das die Menschen in anspruchsvollen Zeiten verzichten. Es ist aber auch genau das, was uns hilft, aus diesen Zeiten heraus zu kommen und Kraft zu schöpfen der Welt persönlich wieder zu begegnen, jeder auf seine wunderschöne Art und Weise… Mancher lebt das mehr, mancher weniger und doch ist es für viele Menschen ein Lebenselixier. Schade nur, dass wenn auch manchmal die Leidenschaft fehlt, man nicht zumindest Verständnis und Respekt üben kann… Ich wünsche Dir alles Gute und Kraft für Deinen weiteren Weg, liebe Sandra. Herzlichst, Sovely

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    • Da hast du wohl recht. Aber vielleicht ist es für viele schwer nachzuvollziehen, dass man, wenn man zu Hause sitzt und kreativ arbeitet (oder auch sonst von zu Hause selbständig arbeitet), nicht einfach mal was aufschiebt… man hat ja nachher noch Zeit. Nur kommt dann nachher wieder was – aber morgen… oder übermorgen…

      Und ich habe leider bei mir gemerkt, dass ich dann auch bei nicht so gemeinten Kommentaren oft einen Angriff spüre. Zu Unrecht, aber so erprobt.

      Liebe Grüsse
      Sandra

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