Artjournal: Gedanken festhalten

Schon als Kind war ich magisch angezogen von schönen Büchern – die schon beschriebenen las ich, die andern sammelte ich, um sie selber zu füllen. Ich liebte sie. Ich erinnere mich gut, wie früher mein Vater immer wieder sagte, ich hätte doch schon so viele, ich bräuchte sicher kein neues. Aber doch, ich brauchte jedes, da mir ein so schönes nie mehr unterkäme. Und ich versprach hoch und heilig, sie zu füllen.

So ist es noch heute: Manchmal stapeln sie sich, werden immer mehr, so das ich selber denke, es wäre nun genug, ich müsste mal brauchen, was ich hätte. Und dann… plötzlich. Füllt sich eines nach dem anderen. Mit Notizen, mit Collagen, mit Ideen, mit Farben…was, wären sie nicht dagewesen? Ich gestehe ein, dass es ab und an überbordet. Aber: Es wird immer auch alles wieder gebraucht. Und nur schon die eigenen Schätze anzuschauen beflügelt oft ganz ungemein.

Ich habe immer mehrere Bücher parallel laufen. Die Grenzen sind oft fliessend, manches läuft doppelt, bei anderem ist die Trennung klarer – aber schlussendlich sind all meine Sketchbücher, Notizbücher, Artjournals zu etwas gut: Mich und meine Gedanken, Gefühle, Ideen, Probleme, Schwierigkeiten, Freuden festzuhalten und sie sie auf eine Weise auszudrücken. Während der textliche Weg ziemlich gefestigt ist über all die Jahre des Schreibens, sucht der bildhafte immer wieder neue Wege – es gibt aber auch so viele wunderbare und alle haben was für sich. Und ich denke mir oft, dass es schade wäre, mich da zu beschränken, da alles was mit sich bringt, mir auf eine Weise entspricht.

Müsste ich jemandem einen Rat geben, was dem eigenen Leben mehr Bewusstsein und Tiefe gibt: Nimm dir ein leeres Buch und fülle es mit allem, was dir in den Sinn kommt. Versuche, frisch von der Leber weg Gefühle, Eindrücke, Ideen, Gedanken loszuwerden. Auf die dir eigene Weise. Sei das expressives Schreiben, gezielte Fragestellungen, Gedichte, Bilder, Farben, Formen… Niemand schaut hin, es ist dein gesicherter Platz. Nutze ihn und schaue hin.

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