Sehen lernen

„Kreativität ist die Fähigkeit zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.“ (Erich Fromm)


Jeder Mensch ist kreativ, nur haben wir oft den Zugang zu unserer Kreativität verloren. Wie oft schauen wir nur und sehen gar nicht wirklich? Festgefahren in Routinen oder vorgefassten Meinungen reagieren wir auf Situationen. Nur: Wie wollen wir richtig auf etwas reagieren, das wir gar nicht wirklich wahrgenommen haben? Reagieren wir dann nicht eher auf das, was wir denken, dass es ist, statt auf das, was wirklich ist?

Im bewussten Wahrnehmen dessen, was ist, steckt die Möglichkeit, Neues zu schaffen – sei es im eigenen Verhalten (quasi als Lebenskunst) oder in Form eines (künstlerischen) Werkes.

Die eigene Kreativität wieder zu entdecken, heisst, sein eigenes Leben wieder aktiv in die Hand zu nehmen und sich und die in sich angelegten Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entwickeln. Es heisst, wieder bewusst hinzusehen, was ist und entsprechend zu handeln. Das hilft uns auch im Umgang mit anderen Menschen, da wir sie wieder offen sehen, nicht durch unsere eigenen Projektionen verstellt.

Wenn der Weg zur inneren Kreativität versperrt ist, dann sind wir wie die Menschen in Platons Höhlengleichnis: Wir sehen nur die Schatten und halten sie für die Welt. Damit beschneiden wir uns selber in unseren Möglichkeiten und unserem Sein, aber auch unsere Sicht auf die Welt und unseren Umgang damit. Spätestens wenn wir das merken oder gar darunter leiden, sollten wir das Licht suchen und den Weg zur eigenen Kreativität freischaufeln.

2 Kommentare zu „Sehen lernen

  1. Ein guter und „wahrer“ Text, vorausgesetzt ich habe wirklich hingelesen. Klaus Schwab sagte einmal auf die Frage, wie man Kreativität über könne: „Beschäftigen sie sich mit Lyrik.“ Hier muss man – wie Du schreibst – wirklich sehen. Hinschauen und Hinlesen genügen nicht. Es braucht das „Wahr“nehmen. Danke für die Anregung.

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    1. Lyrik ist ein Grenzensprenger. Oft fängt sie da an, wo die landläufige Sprache an Grenzen kommt, wenn sie das Leben ausdrücken will. Sie bedient sich in der (Sprach-)Bilderwelt, in welcher das Gefühl die Sprache bereichert und ihr eine neue Ebene gibt. Dann ist es, wie du sagst: HInschauen und -lesen reicht nicht mehr, man muss tiefer sehen. Und fühlen.

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