Miksang und Minimalismus

versunken

Der Begriff Miksang kommt aus dem Tibetischen und bedeutet so viel wie „gutes Auge“. Es geht bei dieser Art der Fotografie weniger um die einzelnen Motive, sondern um die Art und Weise, wie man als Mensch und mit der Kamera auf die Welt zugeht und diese wahrnimmt und abbildet.

Wie in der östlichen Philosophie oft, geht es um die Haltung eines wachen Geistes, um Achtsamkeit in ihrer ursprünglichen, buddhistischen Form: Ein offener, unvoreingenommener Geist nimmt wahr, was wirklich ist. Ohne Bewertungen, ohne Urteile, ohne Vorstellungen. Einfach sehen, was uns umgibt.

Oft ist unser Blick getrübt durch verschiedene Filter, mit denen wir durch die Welt gehen. Seien es Gewohnheiten, Vorlieben, Abneigungen, Erwartungen oder vieles mehr: Wir sehen nicht mehr genau hin, sondern laufen in einer Art Autopilot durch die Gegend, benennen die Dinge, die wir sehen, und sehen so selten wirklich, was da ist, sondern denken nur „Baum“ und laufen weiter – oder noch schlimmer: Wir sehen den Baum gar nicht mehr, da der ja immer da steht, und wir denken, alles schon gesehen zu haben.

Durch meine langjährige Beschäftigung mit östlicher Philosophie und auch Buddhismus, spricht mich dieser Ansatz sehr an. Er geht zurück auf den Meditationsmeister und Künstler Chögyam Trungpa Rinpoche und wurde von Michael Wood weiter entwickelt.

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Was mich auch sehr anspricht, ist der Ansatz der minimalistischen Fotografie. Vieles geht dabei in eine ähnliche Richtung wie Miksang. Auch hier ist ein offener Blick für das, was ist, gefragt. Auch hier geht es darum, die Dinge unvoreingenommen zu sehen. Des Weiteren kommt aber noch die Klarheit und Reduktion der Kunst des Zen-Buddhismus ins Spiel. Statt weiter alles so überfrachtet wahrzunehmen, wie sich uns die Welt oft präsentiert, gehen wir tiefer, zum Kern, zur Essenz, legen die frei, konzentrieren uns auf etwas.

Ich mag es, wenn sich Lebenswege vereinen und daraus etwas entsteht, das aus allen zurückgelegten Etappen etwas nimmt. Es fühlt sich an wie eine Wanderung, auf welcher der Rucksack immer mehr gefüllt wird, er dabei aber nicht belastet, sondern ich aus dem Vollen schöpfen kann. Auf diese Weise sind die Bilder, die entstehen, ganz meine Bilder, weil sie aus den Tiefen meines Seins entstanden sind.

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