Rezension: Wilfried F. Schoeller: Franz Marc

Vom Suchen und Finden eines Malers

Das Leben hat gegenwärtig für mich keinen anderen Sinn als den, es durch meine Malerei zu übertönen (eigentlich müsste ich sagen, ‚zu übermalen’) und alle leidenschaftlichen Lebensinstinkte zu ersticken.

Diese Zeilen schrieb Franz Marc an seinen Bruder Paul. Sie stammen aus einer Zeit, da Franz Marc ein Suchender war. Er stand zwischen drei Frauen und konnte sich nicht entscheiden. Was er wusste war, nur, dass er Künstler sein will, nicht aber, wie sein Ausdruck, was seine künstlerische Stimme sei. Er liess sich treiben, auf beiden Feldern, schwankte zwischen Farben und Formen und zwischen den Frauen hin und her. Und: Er wurde schwermütig dabei.

Ich bin nervös und schwermütig; je weniger einsiedlerisch mein Leben scheint, desto einsamer ist es. Ich glaube, ich habe noch ein unruhevolles Dasein vor mir.

Nach einer sich als Fehlentscheid herausstellenden Ehe kommt Franz Marc schliesslich mit Maria Franck zusammen. Gemeinsam ziehen sie aus München weg aufs Land, wo Franz Marc langsam zur Ruhe kommt und einen Schaffenseifer ans Licht legt wie nie zuvor. Er malt von morgens bis abends, findet in den Tieren seine Sujets und bringt diese in einem immer klareren und eigenen Stil auf die Leinwand.

Franz Marcs Leben und Schaffen ist wohl eines der gut beleuchteten, was aufgrund der kurzen Dauer – er starb bereits mit 36 Jahren im Ersten Weltkrieg – und der grossen Bekanntheit seiner Bilder nicht verwundert. Wilfried F. Schoeller hat mit dem vorliegenden Buch nicht einfach eine weitere Biografie unter vielen geschaffen, er hat tiefer gegraben, genauer hingeschaut und unbarmherziger (aber nie bösartig oder abschätzig) ans Licht geholt, was Franz Marcs Leben bewegte, wie er seinem Schaffen gegenüber stand und wie er seinen Weg ging.

Entstanden ist ein Buch, das die gängigen Klischees und tausendfach erzählten Geschichten hinter sich lässt. Es wird ein Künstlerleben plastisch, das von Widersprüchen, Zweifeln, Depressionen und Schaffenskraft zeugt. Auch die Zeit beim Blauen Reiter darf natürlich nicht fehlen, die für Franz Marc eine wegweisende war. Aus der folgenden Zeit stammen die Bilder, die in der Folge am Bekanntesten werden sollten, die als Reproduktionen Wohnzimmer und Postkarten zierten und die noch heute Scharen von Besuchern in die Museen locken.

Die vorliegende Biografie ist ein Buch über das Leben und Schaffen, über die Inspirationen und Wegbegleiter, über Freundschaften und Liebe des Künstlers sowie über den Menschen Franz Marc mit seinen Gedanken, Theorien und Zielen. Das Buch ist zudem sehr schön illustriert mit Zeichnungen und Fotos sowie mit einem Mittelteil versehen, der Franz Marcs Bilder zeigt, auf welche im Text verwiesen wird. Den Abschluss machen ein Register aller zitierten Werke sowie eine ausführliche Liste weiterführender Bücher.

Fazit:
Ein Standardwerk – Genauer und detaillierter kann man das Leben und Schaffen eines Künstlers nicht erzählen. Sehr empfehlenswert.

Angaben zum Buch:
franz_marcGebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG (1. Februar 2016)
ISBN-Nr.: 978-3446250697
Preis: EUR 26 / CHF 37.90

Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

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2 Kommentare zu „Rezension: Wilfried F. Schoeller: Franz Marc

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  1. Hat dies auf Denkzeiten rebloggt und kommentierte:

    Kaum ein anderer Künstler der Moderne ist wohl so populär wie Franz Marc, seine farbigen Tiere hingen in Wohnzimmern, zierten Postkarten und ziehen noch heute Scharen in die Museen.

    Gefällt mir

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