Rezension: Josef Helfenstein, Nina Zimmer (Hrsg.): Der figurative Pollock

Symbiose von Figuration und Abstraktion

When you’re painting out of your unconscous, figures are bound to emerge.
(Wenn man aus dem Unbewussten heraus malt, müssen zwangsläufig Figuren hervortreten). – Jackson Pollock

Wenn man den Namen Jackson Pollock hört, denkt man unweigerlich an seine berühmten Drip Paintings, bei welchen er Farbe auf die Leinwand tropfte, spritzte und laufen liess. Allerdings haben diese Drip Paintings eine Vorgeschichte, auch Pollock hat sich mit Figuration auseinander gesetzt, hat im Kunststudium und auch inspiriert durch andere Künstler eine figurative Bildsprache entwickelt, die er in der Folge immer mehr abstrahierte.

Pollock studierte bei Thomas Hart Benton, einem Vertreter des amerikanischen Regionalismus. Er war sicher nicht der talentierteste Schüler, was ihn für eine Weile auch von der Malerei weg hin zur Skulptur brachte. Allerdings kehrte er zurück und arbeitete hart. Er beschäftigte sich eingehend mit den mexikanischen Muralisten, allen voran Diego Rivera, José Clemente Orozco und David Alfaro Siqueiros. Zeit seines Lebens bestand auch eine innere Rivalität mit Picasso, an welcher Pollock manchmal fast zu verzweifeln schien, sah er das spanische Genie als unerreichbar oder sich nur als Betrüger – Pollocks generelle psychische Disposition hat diese Züge sicher noch verstärkt.

Der vprliegende Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Basel beginnt in den frühen Jahren Pollocks und zeichnet dessen Weg hin zur Malerei nach. Einleitende Artikel zu dessen Verhältnis zu Figuration und Abstraktion, zum Bild- und Blickfeld sowie zur Ästhetik führen den Leser ins Werk hinein. Die Artikel sind gut abgestützt mit Bildmaterial sowohl von Pollock selber als auch von seinen Inspirationsquellen.

Es folgt der Katalog mit den ausgestellten Bildern, welcher durch einen Index eingeleitet wird und danach in einzelne Kapitel mit erklärenden Artikeln unterteilt ist. So kann sich der Leser von den Studienjahren über die frühen Werke, die Werke der klassischen Periode hin zu den Cut Outs, Black and White Paintings und späten Werken durcharbeiten.

Ein wirklich wunderbarer Katalog, der sehr viele, tiefgründige, nicht immer ganz einfach zu lesende Texte rund um das Schaffen und die Bilder Jackson Pollocks enthält. Der Umschlag spricht durch Leinen-Haptik mit eingeprägtem Lininenmuster a la Pollock an und auch das Layout und die Bildqualität sind eine wahre Augenfreude. Müsste man einen Kritikpunkt finden, wäre das vielleicht ein fehlendes alphabetisches Verzeichnis der einzelnen Bilder, das es dem nicht so versierten Pollock-Kenner einfacher machen würde, einzelne erwähnte Bilder zu finden. Da diese aber im Text mehrheitlich mit Seitenzahl erwähnt werden, stellt auch das kein grosses Problem dar.

Fazit
Ein informatives, tiefgründiges und hochstehendes Buch, das ins figurative Schaffen Pollocks einleitet und auch sein Verständnis von Figuration und Abstraktion gut beleuchtet. Zudem ein wahrer Augenschmaus. Absolut empfehlenswert.

Zum Herausgeber:
Josef Helfenstein ist Direktor des Kunstmuseum Basel. Nina Zimmer ist die Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Abteilung 19. Jh./Klassische Moderne am Kunstmuseum Basel.

Angaben zum Buch:
helfensteinpollockGebundene Ausgabe: 80 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (6. Oktober 2016)
ISBN: 978-3791355856
Preis: EUR: 49.95 ; CHF 68
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

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