Rezension: Eckhard Hollmann: Der blaue Reiter

Auf den Spuren einer Künstlergruppe

Den Namen „Der blaue Reiter“ erfanden wir am Kaffeetisch in der Gartenlaube in Sindelsdorf; beide liebten wir Blau, Marc – Pferde, ich – Reiter. So kam der Name von selbst. Und der märchenhafte Kaffee von Frau Maria mundete uns noch besser.

Glauben wir Wassily Kandinsky, entstand der Name „Der blaue Reiter“ bei gemütlichem Beisammensein am Kaffeetisch bei Franz und Maria Marc in Sindelsheim. Eine andere Theorie besagt, er ginge auf Kandinskys Wunsch einer Reiterfigur auf einem galoppierenden Pferd zurück, wovon er auch schon mehrere Entwürfe angefertigt hatte. Beziehen soll sich der Reiter auf den heiligen Ritter Georg, die Farbe Blau bringt ein himmlisches Element hinein, was darauf hinweisen könnte, dass Kandinsky ein Symbol für die spirituelle Erneuerung der Kunst gesucht hätte.

Wie dem auch sei: 1911 wurde „Der blaue Reiter“ von Wassily Kandinsky und Franz Marc gegründet und startete gleich mit einer Ausstellung – dies in Konkurrenz zur „Neuen Künstlervereinigung München“, aus welcher die beiden vorher sehr abrupt und mit einigen bösen Worten ausgetreten waren. Viel deutet darauf hin, dass der Austritt und die Ausstellung keine Spontanhandlungen, schon länger geplant waren. Der Erfolg war mässig, da die Kunstliebhaber und Kunstkritiker – von einigen Ausnahmen abgesehen, welche der Gruppe fortan die eine oder andere Tür öffnen sollten – wenig mit den neuen Ansätzen anfangen konnten.

Neben ihren Bildern wollten die Mitglieder des Blauen Reiter auch ihre kunsttheoretischen Anschauungen bekannt machen, wozu ein Almanach veröffentlicht werden sollte. Dieser ist in seiner Erstausgabe noch heute im Lenbachhaus in München zu sehen.

Diese und viele weitere Informationen liefert Eckhard Hollmann im vorliegenden Buch. Er legt die Vorgeschichte der Künstlervereinigung offen, bettet diese in die damalige Zeit ein. Neben Porträts der einzelnen Mitglieder des blauen Reiters – Kandinsky, Gabriele Münter, Franz und Maria Marc sowie Alfred Kubin, August Macke und auch Paul Klee – werden auch Künstler, welche die Gruppe theoretisch und praktisch begleiteten, vorgestellt.

Abgerundet wird das Buch mit Blicken auf die Aktivitäten der Kunstvereinigung, deren Innovationen innerhalb der Kunstgeschichte sowie die Rezeption während der aktiven Phase wie auch später. Abschliessend erfährt der Leser, der heute auf den Spuren des Blauen Reiters wandeln will, welche Orte und Sehenswürdigkeiten er besuchen kann.

Eine sehr gelungene und wunderbar illustrierte Einführung in die Geschichte und das Schaffen des Blauen Reiters.

Fazit
Ein sehr informatives, umfassendes und mit Bildmaterial schön unterlegtes Buch, das einen guten Einstieg ins Wirken der Künstler des Blauen Reiters bietet. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor:
Eckhard Hollmann ist deutscher Kunstpublizist, Verlagslektor und Buchgestalter. Geboren in Altenburg studierte er in Leipzig Kunsterziehung, Geschichte und Kunstgeschichte und arbeitete danach als Lektor in der Edition Leipzig, einem Verlag für Kunst und Wissenschaft. Ab 1985 arbeitete er freiberuflich als Buchgestalter und schrieb Katalogtexte und Artikel zu Ausstellungen bis zur Übersiedlung in den Westen, wo bis 2010 als Lektor im Prestel Verlag tätig war, und seit da freischaffend in München arbeitet und lebt.

Angaben zum Buch:
hollmannreiterGebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (28. März 2011)
ISBN: 978-3791345277
Preis: EUR: 7.95 ; CHF 11.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

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